Vielen Dank an die Seilbahner und Touristiker:

Wenn es den Herrn „der markigen Worte“ NR Franz Hörl nicht geben würde, dann müsste man ihn erfinden. Gegen alle Skeptiker und Blockierer entwickelt dieser Franz Senn des 21. Jahrhunderts eine solch großartige Vision für die von Armut, Landflucht und mickrigen Grundstückspreisen gebeutelte Region im westlichen Mittelgebirge. Welchen Segen diese Idee den Tirolern noch bringen wird, soll an dieser Stelle noch einmal den chronischen Verhinderern vor Augen geführt werden:
Zunächst ergießt sich in diese Region durch die Verbindung mit der Schlick bald ein Strom von Wohlstand und Reichtum durch die zahllosen Gäste, die fluchtartig St. Anton etc. verlassen, um in den hippen Destinations Kematen, Oberperfuss und Axams ihr Geld den Seilbahnunternehmern zu übergeben. Wahrscheinlich suchen Paris Hilton, Dschungelkönige und Ex-Finanzminister schon nach geeigneten Grundstücken rund um Axams.

Welch ein Segen auch für die Axamer Bürger, die nun endlich ihre Jobs in Innsbruck aufgeben, um daheim im Tourismus-Geschäft zu arbeiten und ihre Einfamilienhäuser in Wellness-Tempel für die neuen Gäste umgestalten können.

Weil ja das Argument der Arbeitsplätze –außer für Osteuropäer – nicht ganz hundertprotzentig für den Ausbau des Skigebietes spricht, darf man natürlich auch die um Welten verbesserte Infrastruktur in der Gegend nicht vergessen. Schließlich werden ja die vielen neuen Urlauber mit dem Auto direkt in die Lizum fahren (von Deutschland am besten gratis über den Zirler Berg), um die lange Fahrt ins Stubai und ganz nebenbei auch noch die Maut der Brennerautobahn zu sparen.

Dieser Verkehrsfluss wird endlich die von allen Bewohnern des westlichen Mittelgebirges seit Menschengedenken sehnlichst erwartete Möglichkeit eröffnen, die Straßenverbindungen dem erforderlichen Verkehrsaufkommen durch Skifahrer und einheimische Tagesgäste zeitgemäß anzupassen. Neue Parkmöglichkeiten können nun erschlossen werden und vielleicht lässt sich sogar die eine oder andere Zufahrt verbreitern.

All das wird jetzt endlich von Herrn Hörl einmal öffentlich angesprochen. Während die typischen Alpenkonventions-Unterzeichner und Schutzgebiets-Ausweiser in Innsbruck dafür kein Auge haben und stattdessen mit rechtsverbindlichen, freiwillig unterzeichneten Verträgen Heerscharen von zaudernden Volksvertretern vor sich hertreiben. Sowas sollte man sich nicht bieten lassen, schließlich ist das „Vor-sich-hertreiben“ von Volksvertretern seit jeher angestammtes Privileg der Seilbahner und Touristiker. Gottseidank besinnt sich hier mal wieder einer der führenden Köpfe aus dieser Gruppierung seiner Kernkompetenzen.

Also weg mit den kuscheligen Skigebieten, die ja eh nur Tiroler nutzen! Erschließen wo es geht und wo es nicht geht mindestens planen! Weiter so Herr NR Hörl und hören sie bloß nicht auf die paar depperten Blümchenzähler und ruhesuchenden Bergtouristen, die ihrem schönen, neuen Tirol in Internetforen, Blogs, Leserbriefen, Petitionen, öffentlichen Diskussionen, politischen Statements oder gar in Gerichtssälen entgegentreten.

Herzlichen Glückwunsch auch zu ihrer demokratischen Gesinnung, die dem Tiroler Landtag immerhin die Möglichkeit zutraut endlich Nägel mit Köpfen zu machen, sich den heilsbringenden Ideen der Tourismuswirtschaft anzuschließen und sich mal locker über die wahrscheinlich eh europäischen, mindestens aber wienerischen, also quasi ungültigen Gesetze hinwegzusetzen.

So und nach all dem Lob für die konsequenten Verfechter eines zielgerichteten Ausbaus unserer unzähligen Schutzgebiete wird es für mich Zeit für eine Skitour in die Kalkkögel, so lange sie noch so wunderbar sind wie jetzt.

Thomas GERL